Das Prüfverfahren zur BITV


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Prüfschritt 5.2
Aktivierung von Barrierefreiheitsfunktionen

Technische Angaben

Anforderung der EN 301 549 Allgemeine Anforderungen
Bewertungsalternativen ja / eher erfüllt / teilweise erfüllt / eher nicht erfüllt / nein / nicht anwendbar
Bezieht sich auf gesamten Webauftritt

Was wird geprüft?

Wenn die Webseite Funktionen für die Barrierefreiheit bereithält, die spezielle Bedürfnisse von Nutzern erfüllt, soll die Aktivierung dieser Funktionen für diese Nutzergruppe barrierefrei möglich sein. Das bedeutet, dass die Barrierefreiheitsfunktion für die Nutzergruppe, die sie unterstützen soll, selbstständig aktivierbar sein soll.

Beispiele für Barrierefreiheitsfunktionen:

  • Vorlesefunktion

  • Kontrasterhöhung, abweichende Farbschemata

  • Anpassung der Schriftgröße, Schriftformatierungen (z. B. Zeilenabstand, Schriftart usw.)

  • Versionen in Leichter Sprache oder Deutscher Gebärdensprache

  • Einstellungen zum Deaktivieren automatischen Abspielens be Animationen, Videos oder Audio

Warum wird das geprüft?

Barrierefreiheitsfunktionen, die von der zu testenden Webseite (also nicht vom Betriebssystem oder dem Browser) bereitgestellt werden, sollen von ihrer potentiellen Nutzerschaft selbstständig aktivierbar sein.

Wenn die Webseite beispielsweise eine Funktion zur Verfügung stellt, mit derer die Kontrastverhältnisse innerhalb der Seite verbessert werden, müssen sämtliche Bedienelemente, die zur Aktivierung der Funktion bedient werden müssen, auch in der Standardansicht ein ausreichendes Kontrastverhältnis aufweisen. Damit wird sichergestellt, dass auch Nutzer, die mit kontrastarmen Inhalten und Bedienelementen Schwierigkeiten haben (also zur Zielgruppe der Barrierefreiheitsfunktion gehören), die Funktion zur Kontrasterhöhung selbstständig aktivieren können.

Wie wird geprüft?

1. Anwendbarkeit des Prüfschritts

Der Prüfschritt ist anwendbar, wenn die zu prüfende Webseite spezielle Barrierefreiheits-Funktionen bereithält (hierfür müssen bei Webanwendungen auch die Einstellungen der Web-App überprüft werden). Nicht berücksichtigt werden systemseitige Bedienungshilfen (z. B. vom Browser oder Betriebssystem).

2. Prüfung

  1. Webseite aufrufen.

  2. Falls Barrierefreiheitsfunktionen angeboten werden:

    • Ist die Barrierefreiheits-Funktion für die Zielgruppe identifizierbar?

    • Ist die Barrierefreiheits-Funktion für die Zielgruppe selbstständig aktivierbar?

3. Hinweise

3.1 Hinweis zur Bestimmung der Zielgruppe der Barrierefreiheits-Funktion

Viele Menschen mit Behinderung nutzen verschieden Eingabemöglichkeiten, z.B. fallweise die Maus oder die Tastatur. Menschen mit kognitiven Einschränkungen haben zum Teil auch andere Einschränkungen. Bei der Bestimmung der Zielgruppe ist es deshalb wichtig, auch Anforderungen zu berücksichtigen, die nicht direkt mit der Einschränkung zu tun haben, für die die Barrierefreiheits-Funktion gedacht ist.

3.2 Hinweis zur Identifizierbarkeit und Aktivierbarkeit

Bedienelemente für Barrierefreiheits-Funktionen sollen grundsätzlich alle Barrierefreiheits-Anforderungen erfüllen. Zwei Beispiele:

  1. Ein Schalter zum Laden einer Version in Leichter Sprache sollte leicht verständlich, kontrastreich und zugänglich beschriftet sein, denn es gibt Menschen mit kognitiven Einschränkungen, die außerdem sehbehindert oder blind sind.

  2. Ein visueller Kontrastmodus-Schalter für Menschen mit Sehbehinderung braucht auch eine zugängliche Beschriftung, denn manche sehbehinderte Menschen nutzen auch den Screenreader.

4. Bewertung

Erfüllt

Die Barrierefreiheits-Funktion ist barrierefrei identifizierbar und aktivierbar.

Nicht voll erfüllt

Bedienelemente der Barrierefreiheitsfunktion oder die Funktion selbst verstoßen gegen Anforderungen der EN.

Einordnung des Prüfschritts

Einordnung des Prüfschritts nach EN 301 549 V3.1.1

5.2 "Activation of accessibility features".

Quellen

5.2 Activation of accessibility features

Where ICT has documented accessibility features, it shall be possible to activate those documented accessibility features that are required to meet a specific need without relying on a method that does not support that need.

(Aus EN 301 549 V3.1.1 Abschnitt 5.2)

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