Das Prüfverfahren zur BITV


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Über den BIK BITV- bzw. WCAG-Test

Die rechtlichen Grundlagen

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind die internationalen Leitlinien zur Sicherstellung einer universellen Zugänglichkeit von Webangeboten. Aktuell gilt die WCAG 2.1.

In Deutschland werden die öffentlichen Stellen des Bundes durch das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) und die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) 2.0 zu barrierefreien Websites und mobilen Anwendungen verpflichtet. Auf Landes- und kommunaler Ebene gelten entsprechende Landesgesetze zu barrierefreier Informationstechnik, die entweder direkt auf die BITV 2.0 oder auf ähnliche, länderspezifische Verordnungen verweisen.

Die BITV 2.0 wiederum verweist in § 3 ‚Anzuwendende Standards‘ nicht auf den internationalen, sondern auf den europäischen Standard: die geltende europäische Norm EN 301 549 (PDF, 2 MB). Die EN 301 549 gibt im Abschnitt 9 (Web) die AA-Erfolgskriterien der WCAG 2.1 einschließlich ihrer Konformitätsbedingungen (Abschnitt 9.5) wieder; im Annex A (PDF) in der Tabelle A.1 informiert sie über weitere normative Anforderungen aller EN-Kapitel, die für Web-Inhalte verpflichtend sind. Damit gehen die europäischen Anforderungen an Webinhalte über die der WCAG auf Konformitätslevel AA hinaus.

Der BIK BITV- und der BIK WCAG-Test

Seit 2005 ist der BIK BITV-Test das etablierte Prüfverfahren in Deutschland. Seit 2017 gibt es auch eine Auswertung nach WCAG, also einen WCAG-Test.

Der BIK BITV-Test (Web) bietet die Möglichkeit, ein Webangebot gemäß dem anzuwendenden Standard der BITV 2.0 zu prüfen. Er besteht aus 92 Prüfschritten, die sich aus der EN 301 549 ableiten: 60 Prüfschritte bilden das Kapitel 9 (Web) ab (=WCAG 2.1 auf Konformitätslevel A + AA), 32 Prüfschritte die zusätzlichen normativen Anforderungen, auf die im Annex A in der Tabelle A.1 (Web Pages) verwiesen wird.

Der BIK WCAG-Test (Web) prüft die 32 zusätzlichen Prüfschritte der EN 301 549 nicht. Er unterscheidet er sich dadurch vom BITV-Test.

Alle Prüfschritte sind im Verzeichnis der Prüfschritte transparent dokumentiert sind. Für jeden Prüfschritt gibt es ausführliche Erläuterungen, warum und wie geprüft wird. Auch das Prüfverfahren ist öffentlich einsehbar.

Hinweis: Neben der Konformität mit dem anzuwendenden Standard EN 301 549 definieren die BITV 2.0 und entsprechende Landesrechtsetzungen weitere Anforderungen. Zum Beispiel können Erläuterungen in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache verpflichtend sein. Auch eine Erklärung zur Barrierefreiheit muss auf Webangeboten zur Verfügung stehen. Diese weiteren Anforderungen sind nicht Bestandteil des BIK Prüfverfahrens. Bitte informieren Sie sich in dem Artikel Die BITV 2.0 – Was prüft der BITV-Test, was prüft er nicht?, auf was sich die Testergebnisse des BITV-Tests beziehen.

Die BIK Testentwicklung

Die Testentwicklung erfolgt in einem von DIAS moderierten öffentlichen Austausch mit der Barrierefreiheits-Community und im letzten Schritt in Ausrichtung an der Accessibility Guidelines Working Group (AGWG) des W3C.

Die Diskussionen auf der Plattform GitHub zur Weiterentwicklung der Prüfschritte stehen allen Interessierten offen. Neben Verbänden und Organisationen von Menschen mit Behinderungen nehmen an dem Austausch auch Hochschulen mit Expertise im Bereich Barrierefreiheit, erfahrene Webagenturen, Überwachungsstellen und qualifizierte Einzelpersonen (mit und ohne Behinderungen) teil.

Zuverlässigkeit des Tests

Das Ergebnis eines BITV- bzw. WCAG-Tests basiert auf Einschätzungen. Dies ist kein Mangel des Tests; die Barrierefreiheit von Webangeboten hängt nicht allein von der Einhaltung formaler Regeln ab, ein aussagekräftiger Test muss also diese Grundlage haben.

Allerdings muss die Zuverlässigkeit sichergestellt werden. Testergebnisse sollen wiederholbar sein, unterschiedliche Prüfer sollen zu gleichen Ergebnissen kommen, um die Vergleichbarkeit und Nachprüfbarkeit zu gewährleisten.

  • Prüfbedingungen und Verfahren: Dafür wird zunächst der Rahmen gesetzt, in dem der Prüfer seine Einschätzung trifft. Das betrifft die Qualifikation des Prüfers: Kenntnisse und Erfahrungen in der Anwendung des Prüfverfahrens sind Bedingung. Das betrifft auch die Prüfumgebung: Festgelegt ist, welches Betriebssystem, welche Browser, welche speziellen Prüfprogramme im Einzelnen einzusetzen sind. Auch wichtig: die klare Abgrenzung des Prüfgegenstands.
  • Abstimmung von Entscheidungen: Die Prüfer sind in Teams eingebunden. Mit den Vorgaben der Prüfverfahren nicht klar zu entscheidende Fälle werden dort diskutiert. Diese Auseinandersetzung ist zugleich Grundlage der kontinuierlichen Fortentwicklung der Prüfverfahren.
  • Vergleichbarkeit von Bewertungen: Das Prüfwerkzeug erlaubt den Zugriff auf vorangegangene Bewertungen zu einzelnen Prüfschritten. Der Prüfer kann sich daran orientieren. Prüfer sollen Bewertungsspielräume in ähnlicher Weise nutzen, sie sollen Sachverhalte nicht "wohlwollend" oder "streng" einschätzen. Abschließende Prüfungen werden daher im Tandem von jeweils zwei Prüfern durchgeführt, die im ersten Schritt unabhängig voneinander bewerten und anschließend ihre Ergebnisse abstimmen.

Anwendung des Tests

BIK BITV- und WCAG-Tests werden von den Prüfstellen des deutschlandweiten BITV-Test Prüfverbunds angeboten. Die Durchführung erfolgt in einem qualitätsorientierten Verfahren nach dem Vier-Augen-Prinzip, für das zwei Prüfstellen zusammenarbeiten.

Ein erfolgreicher BITV- oder WCAG-Test ist Basis für die Zulassung in die Liste Sites & Agenturen. Sie zeigt vorbildliche Websites sowie Dienstleister, die nachweislich barrierefreie Webangebote entwickeln können.

Webanbieter und Entwickler können sich an den Anforderungen des BITV-Tests orientieren. Ein entsprechendes Werkzeug für die entwicklungsbegleitende Bewertung eigener Webangebote steht seit Juli 2005 zur Verfügung: die BITV/WCAG-Selbstbewertung. Die Nutzung des Werkzeugs ist kostenlos. Es kann eingesetzt werden, wenn die Vergleichbarkeit von Bewertungen nicht im Vordergrund steht.